Nosferatu-Spinne NABU
Thomas Hauth/NABU
Nosferatu-Spinne NABU

Die Invasion der Nosferatu-Spinne

Die giftige Nosferatu-Spinne breitet sich immer weiter in Deutschland aus. Auch in Sachsen wurde sie bereits entdeckt. Ist sie so gefährlich wie sie klingt?

Sie befreien uns von lästigen Insekten, erbeuten Mücken oder auch mal eine Stubenfliege. Trotzdem sind sie oftmals ungern gesehen – und werden mitunter aus Angst getötet.

Die achtbeinige Offensive der Spinnen beginnt gerade jetzt wieder – im September. Sinkende Temperaturen und eine höhere Luftfeuchtigkeit lassen sie gern mal gemütliche Häuser von innen anschauen. Was die menschlichen Bewohner allerdings eher in Unbehagen stürzt.

Hauswinkelspinne
S.Heinz/Wiki
Hauswinkelspinne

Diese Spinnen gibt es unter anderem in Sachsen

Vor allem Hauswinkel- und Zitterspinne fühlen sich in unseren Breiten als Untermieter wohl. Aber auch Gartenkreuzspinne oder Speispinne sind häufig anzutreffen. 

(Abbildung links: Hauswinkelspinne)

Aber immer öfter halten auch Spinnen bei uns Einzug, die eigentlich gar nicht hier verwurzelt sind. Sie kommen als blinde Passagiere aus fernen Urlaubsländern mit, reisen per Schiff ein – oder finden einen anderen Weg zu uns.

Normalerweise überstehen sie spätestens die kalten Winter in unseren Breiten nicht – und das vermeintliche Problem löst sich von selbst. Doch durch die Klimaerwärmung finden diese Spinnen auch immer mehr Gefallen an Deutschland – und überleben die milden Winter immer besser. In Zukunft müssen wir also durchaus damit rechnen, dass weitere Arten, und das nicht nur im Bereich der Spinnen, bei uns heimisch werden, die ursprünglich gar nicht bei uns vorkommen.

Nosferatu-Spinne NABU
Barbara Theilig/NABU
Nosferatu-Spinne NABU

NOSFERATU-SPINNE

Ein Beispiel ist die Nosferatu-Spinne, deren Sichtungen aktuell sprunghaft ansteigen. Dabei ist die eigentlich im Mittelmeerraum vorkommende Spinne schon 2005 zum ersten Mal in Deutschland gesichtet wurden. Im Januar 2021 gab es erstmals einen Fund in Sachsen. Die Spinne hatte sich in einem Keller in Leipzig häuslich eingerichtet. Das Leipziger Naturkundemuseum bestätigte diesen Fund damals. Kurz zuvor gab es auch in Bremen eine Sichtung.

Was sie über die Nosferatu-Spinne wissen müssen

  • So erkennen sie die Nosferatu-Spinne

    Die Nosferatu-Spinne gehört zur Familie der Kräuseljagdspinnen. Sie spinnt Netze zur Eiablage, Beute jagt sie jedoch aus dem Versteck heraus. Der Spinnenkörper kann ca. zwei Zentimeter groß werden, die Beinspannweiten reichen bis zu sechs Zentimetern. Das ist schon recht groß – aber im Vergleich zur bei uns heimischen Winkelspinne immer noch kleiner. Die Hauswinkelspinne erreicht gern mal bis zehn cm Beinspannweite.

    Eine Besonderheit der Nosferatu-Spinne, die Phobiker sicherlich nicht gern lesen möchten: sie kann an senkrechten Glasscheiben entlang krabbeln. Möglich machen dies Hafthaare an ihren Beinchen.

    Hilfe beim Bestimmen von Spinnen und Insekten bieten auch einige kostenlose Apps. Unter anderem sind "Map of Life“ sowie „Picture Insect“ für Smartphones erhältlich.

  • Ist die Nosferatu-Spinne giftig?

    Die Spinne benutzt Gift, um ihre Beute zu lähmen. Wichtig: im Normalfall sind die Spinnen und ihr Gift für Menschen ungefährlich. Die Nosferatu-Spinne hat zwar recht starke Kiefernklauen, kann damit auch durchaus durch die Haut von Menschen eindringen. Ihr Biss erinnert aber eher an einen Mücken- oder leichten Wespenstich. Und sie beißt auch nur, wenn sie bedrängt wird.

    In Acht nehmen sollten sich wie immer Allergiker. Hier kann es zu heftigeren Reaktionen kommen. Tödlich ist das Gift der Spinne jedoch in keinem Fall.

  • Was kann ich gegen die Nosferatu-Spinne tun?

    Am besten nichts! Wird sie nicht bedrängt, geht von ihr keinerlei Gefahr aus. Da sie geschätzt nur 1,5 Jahre alt wird, erledigt sich das „Problem“ auch irgendwann von selbst. Möchten sie die Spinne jedoch zum Ausziehen bewegen, nehmen sie ein Glas zur Hilfe, über die Spinne stülpen, Pappe unter die Öffnung schieben – und mindestens 50 Meter vom Haus entfernt aussetzen.

    Mit der bloßen Hand sollten sie es nicht probieren, da die Spinne, wie schon angeführt, bei Bedrohung zubeißen könnte.

    Angeblich helfen auch Lavendel oder Citronella gegen das Eindringen von Spinnen. Die Wirksamkeit dieser Hausmittel ist jedoch bislang nicht erwiesen.

    Abstand nehmen sollten sie von sogenannten „Spinnenschreck-Sprays“. Dieses sind Biozide – und gefährden somit nicht nur Spinnen sondern auch andere Insekten - und damit am Ende das ökologische Gleichgewicht.

  • Muss ich eine Sichtung der Spinne melden?
Nosferatu Film
Transitfilm
Nosferatu Film

Woher die Angst vor Spinnen kommt

Wissenschaftlich ist es bislang noch nicht geklärt. Doch gibt es durchaus logische Ansätze.

So werden Spinnen gerade in Büchern oder auch Filmen gern als Monster dargestellt. Und die Namensgebung für die Nosferatu-Spinne wirkt sich vermutlich auch eher negativ auf deren Akzeptanz aus.

(Die Abbildung zeigt den Namensgeber der Spinne. Die Zeichnung auf dem Hinterleib erinnert an die Filmfigur aus dem deutschen Film „Nosferatu“, der vor 100 Jahren, am 15.03.1922 in die Kinos kam.)

Vor allem im Kindesalter wird die Angst vor Spinnen oder Insekten durch die Reaktionen der Erwachsenen in ihrem Umfeld geprägt. Das Verhalten gegenüber den Tieren, wie z.B. Ekel überträgt sich auf die Kinder.

Es wird auch vermutet, dass die Angst vor Spinnen evolutionär bedingt sein könnte. Bis heute ist es in warmen Gefilden auch eher ratsam, die Krabbeltiere einfach in Ruhe zu lassen. 

Aber sind alle Spinnen giftig? Und einige sogar tödlich? Das klären wir im folgenden Abschnitt!

Stimmt das wirklich? Spinnenmythen im R.SA Fakten-Check

  • Mythos 1: Wir verschlucken Spinnen im Schlaf
    Spinne Schlaf Mensch Mund
    Spinne Schlaf Mensch Mund

    Das darf getrost als Mythos abgestempelt werden, der sich jedoch hartnäckig hält. Auch variiert die Zahl der angeblich im Schlaf verschluckten Tiere teils erheblich. Die einen sagen sieben, bei anderen Berichten wird von bis zu 50 Spinnen in einem Menschenleben ausgegangen.

    Wissenschaftler halten dagegen: Mit den feinen Härchen an den Beinen und einem enorm ausgeprägten Tastsinn spüren Spinnen jede noch so kleine Erschütterung. Dabei meiden sie alles, was über den sogenannten Schwellenreiz ihrer Beutetiere hinaus geht. Dazu gehört auch die Atmung der Menschen.

    Mythos widerlegt!

  • Mythos 2: Spinnen krabbeln wieder aus dem Staubsauger raus

    Eher wahrscheinlich ist, dass die Spinne nicht einmal lebend im Inneren des Staubsaugers ankommt. Die hohe Sauggeschwindigkeit eines Staubsaugers, das Schleudern gegen die Schlauchwände – all das sind bereits tödliche Gefahren. Spätestens im Beutel oder Auffangbehälter erstickt sie qualvoll im Staub.

    Also: bitte leben lassen – und mit dem altbekannten Glas nach draußen befördern.

    Mythos widerlegt!

  • Mythos 3: Spinnen-Weibchen töten die Männchen nach der Paarung

    Die meisten Hausspinnen leben friedlich Netz an Netz. Andere Arten jedoch, vor allem die, bei denen das Männchen deutlich kleiner ist, verspeisen ihre Partner. Das macht allerdings rein biologisch Sinn.

    • die Kopulation bleibt kurz, das Weibchen kann sich mit weiteren Partnern paaren
    • sie findet so den genetisch bestmöglichen Partner zur Besamung ihrer Eier
    • das anschließende Verspeisen bringt dem Weibchen Nährstoffe, welche ihr und natürlich dem potentiellen Nachwuchs zu gute kommen. Danke Männer!

    Mythos bestätigt!

  • Mythos 4: Spinnen legen ihre Eier unter der Haut von Menschen ab

    Was für eine gruselige Vorstellung - die jedoch vor allem Filme in unser Hirn gepflanzt haben. Rein biologisch ist das nämlich gar nicht möglich. Ihnen fehlt ein Einstichrüssel, durch den sie Eier injizieren könnte. 

    Spinnen weben meist Kokons, an ausgesucht ruhigen Lagen, in welche sie die Eier ablegen.

    Mythos widerlegt!

  • Mythos 5: Spinnen sind nutzlos

    Im Gegenteil! Spinnen sind Nützlinge, vor allem Gartenbesitzer profitieren von ihren "Diensten". Sie fressen Schädlinge wie Blattläuse. Und da sie überall auf dem Festland vorkommen bilden sie eine wichtige Schlüsselkomponente von Ökosystemen.

    Auch ihre Toxine sind für Wissenschaftler interessant, um sie, ähnlich dem Schlangengift, am Menschen einzusetzen.

    Spannend auch die Seide der Spinnen: Seit einigen Jahren sind Forscher aus Großbritannien, Österreich und Deutschland daran, die Fäden unter anderem für die Wundheilung und für die Nervenregeneration einzusetzen. Man weiß schon jetzt, dass der menschliche Körper Spinnenfäden gut verträgt und nicht abstößt.

The Police mit Every Breath You Take

80er Hits

80er Hits

Auch wenn Robert Smith von The Cure im Video zu "Lullaby" von einer Spinne gefressen wurde - eigentlich sind die Tiere ziemlich harmlos und absolut faszinierend. Genauso wie die 80er hier im Stream.


Es läuft:
The Police mit Every Breath You Take